Belege |  Stempel |  Ansichtskarten

Ab 1934 wurde mit dem Bau begonnen. Zunächst wurde nur der kleine, auf der Ansichtskarte zu sehende Teil als Reichsschulungsburg III, Allgäu, zur Ausbildung von Funktionären der Deutschen Arbeitsfront errichtet.

Ab 1935 wurde diese Absicht verworfen, die Anlage erweitert, und sollte der Ausbildung von Parteifunktionären dienen. Von da ab verwendete man die Bezeichnung Ordensburg. Genutzt wurden die Gebäude jedoch überwiegend durch sogenannte Adolf-Hitler-Schulen, auf denen ausgesuchte Kinder kostenlos eine Internatsausbildung erhielten.
Von Mai 1945 bis 1952 wurden die Gebäude durch französische und amerikanische Truppen besetzt. Ab 1956 zog die Bundeswehr ein und nutzt die Anlage bis heute. Unter anderem ist hier die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr sowie ein Teil der Sportschule der Bundeswehr untergebracht.
(Text: Hartmut Happel, www.allgaeuer.de/ordensburg)
Am 14. Juni 1937 richtete der Reichsorganisationsteiter Ordensburg Sonthofen an das PA Sonthofen folgendes Schreiben:
"Ich beantrage hiermit, ab 1. August ds. Js. die Einrichtung einer Posthilfstelle auf der Ordensburg Sonthofen, unter Verwendung eines besonderen Poststempels mit der Beschriftung: ,N.S.Ordensburg Sonthofen."
Unterschrift: "Der Bergkammerer."
 
Es darf als vorsichtiger Versuch der Abwehr gewertet werden, als das PA Sonthofen am 16.Juni berichtete, daß vorher die Verwaltung, Bauleitung und Baufirmen der Ordensburg ihre Postsendungen beim PA abgeholt hätten. Nicht zuletzt bedeutete es auch niedrigere Einnahmen für das Amt und geringeres Einkommen für die Mitarbeiter der Post.
Die darauf angeordnete Erhebung vom 22. mit 28. Juni ergab folgendes Aufkommen:
Für die Ordensburg eingegangen:
909 Briefe und Postkarten
106 Drucksachen, Geschäftspapiere, Warenproben
15 Nachnahmebriefe
21 E-Briefe
15 Post- und Zahlungsanweisungen
9 Schreiben mit Zustellungsurkunde
659 Zeitungsstücke
44 gewöhnliche Pakete und
1 Wert- und E-Paket.
 
Von der Ordensburg aufgegeben:
203 Briefe und Postkarten
15 Drucksachen
Geschäftspapiere und Warenproben
122 Post- und Zahlkarten.
 
Neben den Zahlen des Postaufkommens lagen dem Bericht auch Schätzungen für die zukünftigen Belegungen bei. Demnach sollte das Verwaltungspersonal bis 1. August 1937 250 Personen erreichen. 700 Bauarbeiter waren weiterhin noch längere Zeit beschäftigt.
Am 1. Oktober 1937 wird eine Adolf Hitler-Schule mit 300 Schülern eröffnet.
Am 1. Oktober 1938 kommen weitere 600 Schüler hinzu.
Am 1. Oktober 1939 rücken die ersten 1000 Ordensjunker ein.
 
Daraufhin verfügte die RPD am 23. August:
"Das PA wird ermächtigt, in der Ordensburg Sonthofen eine PSt (Land) zu errichten und am 1. September 1937 zu eröffnen. Die PSt erhält die Bezeichnung "Ordensburg Sonthofen/über Sonthofen"; sie dient nur der Postversorgung der Ordensburgbelegschaft."
 
Der Kommandeur irrte allerdings, als er am 27. August bat, von der vorgesehenen PHSt Abstand zu nehmen und ein ZwPA einzurichten. Er schrieb u.a.:
"Die Bauzeit der Ordensburg Sonthofen wird etwa noch 4-5 Jahre dauern."
 
Für den 2.- 7. November 1937 war bereits eine Tagung mit etwa 1700 Personen, Gauamtsleiter und Kreisleiter der NSDAP, angekündigt. Alle möglichen Vorkehrungen mußten getroffen werden. Sogar ein Sonderpostamt mit 6 Beamten war vorgesehen, das bis 22 bzw. 23 Uhr die Schalter geöffnet halten sollte. Auch davon haften die Organisatoren bestimmte Vorstellungen:
"Neben 2 Traggestellen für liegende Markenverkäufer ist dem Sonderpostamt nach Möglichkeit die Stempelmaschine von Oberstdorf zuzuteilen. Wegen der Fernsprech- und Telegrapheneinrichtung ergehen besondere Anordnungen."
 
Mit Verfügung vom 16. September 1937 gab die RPD bekannt, daß der Kommandant auf die Errichtung einer PSt verzichtet habe. Die Verfügung vom 23. Au9ust 1937 konnte deshalb zurückgenommen werden.
Am 30. September dann gab die Kommandantur als neuen Termin für die Großtagung den 15. - 24. November 1937 bekannt.
Demzufolge verfügte die Postverwaltung am 20. Oktober: "Anläßlich der vom 15. bis 24. November 1937 in Sonthofen stattfindenden Großtagung der Gau- und Kreisleiter der NSDAP ist auf der Ordensburg Sonthofen ein ZwPA einzurichten, dessen Betrieb sich in den von der Ordensburgleitung zur Verfügung gestellten und von der DRP ausgestatteten Räumen abzuwickeln hat. Das ZwPA hat sich mit der Annahme und Ausgabe von Postsendungen jeder Art, der Abgabe von Wertzeichen und der Vermittlung von Telegrammen und Ferngesprächen zu befassen. Zu diesem Zwecke werden zugewiesen
a) eine Briefstempelmaschine mit Einsatz. Der Einsatz trägt die zeichnerische Darstellung der Ordensburg mit der Inschrift "Ordensburg Sonthofen",
b) ein Säulenbriefkasten mit eingebautem Postwertzeichengeber,
c) zwei Einzelwertzeichengeber,
d) zwei Tragekasten für den Einsatz fliegender Markenabgeber,
e) ein Kraftwagen für den Postbeförderungsdienst.
Die Dienststunden und die Diensteinteilung sowie alle übrigen Einzelheiten sind im Benehmen mit dem Reichsleiter der Ordensburg zu vergeben. Das im Bericht vom 28. August angeforderte Personal wird rechtzeitig zugewiesen. Für die reibungslose Abwicklung des Dienstbetriebes ist zu sorgen. Nach Beendigung der Tagung ist über das wirtschaftliche Ergebnis, die Abwicklung und den Umfang des Verkehrs unter Schilderung der gemachten Erfahrungen zu berichten."
 
Der angeforderte Bericht wurde schon vorzeitig, am 19. November 1937 auf den Weg gebracht: "Der Betrieb beim Sonderpostamt ,Ordensburg Sonthofen' wurde am 15. November 1937 Früh 7 Uhr aufgenommen. Dank der guten Vorbereitung verlief die Dienstabwicklung an den beiden ersten Tagen völlig reibungslos.
Der 15. November war der Anreisetag der Tagungsteilnehmer, sodaß an diesem Tag die Inanspruchnahme der postdienstlichen Einrichtungen gering war. Am 16. November Mittags setzte dann aber der Betrieb voll ein. Von 12 Uhr bis 14 Uhr und ab 17 Uhr war Hochbetrieb. Während der Vorträge von 9 -12 und von 14-17 Uhr war wenig Verkehr. Sehr misslich wurde die verspätete Lieferung des Stempelkopfes für den Maschinenstempel empfunden. Dieser ging beim Sonderpostamt erst am 16. November um 12 Uhr 30 zu. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Briefkastensendungen nicht aber die Sammlersendungen- im Benehmen mit dem RPZ mit dem Maschinenstempel bedruckt und für den fehlenden Stempelkopf nachträglich der Tagesstempel (Handstempel) abgedruckt. Am 16. November Mittags wurde dann der vollständige Maschinenstempel in Gebrauch genommen."
Und da damals der Grundsatz galt daß nicht sein kann, was nicht sein darf stellte man für die ,Sammlersendungen' den Stempelkopf auf das ,ordnungsgemäße' Datum zurück.
 
Am 5. Dezember 1937 folgte der Abschlußbericht mit Verkehrszahlen. "Vielseitig konnte man ein Lob über die Anlage der ganzen Posteinrichtung vernehmen ... Die anspruchsvollen Schaltergäste stellten oft die absonderlichsten Wünsche; soweit möglich wurde Rechnung getragen. Beschwerden sind nicht aufgetreten. Am Besuchstag des Führers (23. November 1937) hatte das ZwPA keinen wesentlich größeren Verkehr aufzuweisen."
Im Einsatz waren für 1 Annahme- und Ausgabeschalter und den Postabfertigungsraum 4 Beamte die zu den Hauptverkehrszeiten von 1 Beamten des PA und für den Stempel- und Zustelldienst 2 Beamten unterstützt wurden. 4 weibliche Beamte waren im Telegraphenraum und am Telegrammannahmeschalter eingesetzt. 5 weitere ,Fräulein' besetzten die Gesprächsannahme und Vermittlung.
 
Weitere Tagungen, für die ein Sonderpostamt eingerichtet werden mußte, kündigte der Bericht vom 13. Dezember 1937 an. Vom 9. mit 18. Januar 1938 für sämtliche Kreisschulungsleiter (700 - 800 Personen) und vom 21.- 26. Januar 1938 für Standartenführer und Oberführer mit der gleichen Teilnehmerzahl:
"Wegen der ersten Tagung ist vom PA Sonthofen bereits Antrag auf Eröffnung eines Sonderpostamts gestellt worden. Aus Anlass der zweiten Tagung ist dieses bis 27. Januar 1938 offen zu halten."
Von Seiten des Burgkommandanten wurde im Anschluss an das Sonderpostamt, also ab 28. Januar 1938 die Errichtung eines ZwPA angestrebt.
Die RPD verfügte dazu am 16. Dezember 1937, daß für die Tagungen vom 9. - 18. Januar und 21.- 28. Januar 1938 ein Sonderpostamt eingerichtet werde:
"Während der gesamten Zeitabschnitte kommen 1 El- und 1 Mst-Stempel zur Verwendung. Beide Stempel enthalten die zeichnerische Darstellung der Qrdensburg mit der Inschrift Ordensburg Sonthofen X "
Eine weitere Anordnung folgte am 14. Januar 1938:
"Am 28. Januar 1938 wird auf der Ordensburg Sonthofen versuchsweise ein Zweigpostamt eingerichtet. Das ZwPA erhielt die Bezeichnung -Ordensburg Sonthofen über Sonthofen- und wird dem AbrPA Sonthofen unterstellt."
 
Im Bericht vom 17. Januar 1938 teilte das PA Sonthofen mit, daß die Tagung vom 21.- 26. Januar 1938 auf unbestimmte Zeit verschoben sei und empfahl, das vorgesehene ZwPA bereits am 20. Januar 1938 versuchsweise einzurichten. Mit Verfügung vom 18. Januar 1938 wurde die Genehmigung ab 20. Januar 1938 erteilt.
 
Die nächste Tagung kündigte die RPD am 14. März 1939 an:
"Anläßlich der vom 19.- 27. März 1939 auf der Ordensburg Sonthofen stattfindenden Tagung der Kreis- und Gauamtsleiter Grossdeutschlands wird beim Zweigpostamt Ordensburg Sonthofen/über Sonthofen ein Sonder-stempel (Handstempel) betrieben. Es handelt sich um den gleichen Sonderstempel, der vom 9.-18. Januar 1938 ... und vom 21.- 26. Januar 1938(?) ... verwendet worden ist. ... Der Stempel dient zur Ausführung von Gefälligkeitsstempelungen."
Am 1. April 1939 berichtete Sonthofen:
"... Der Sonderstempel und die Einsätze für den Maschinenstempel wurden mit Ablauf des 27. März 1939 eingezogen und sie sind inzwischen an die Beschaffungsstelle der RPD eingesandt worden."
Bleistift-Vermerk: "Wieder an PA zurückgegeben am 18. April 1939, weil sonst nirgends verwendet."
 
Aus den letzten Stunden des 3. Reiches liegt der Bericht vom 27. April 1945 vor: "Herren Präsidenten der Reichspostdirektion Augsburg zur Kenntnisnahme. Das ZwPA wurde am 26. April 45 geschlossen. Die größeren Möbel- und Einrichtungsgegenstände wurden mangels Unterbringungsmöglichkeit im Keller der Ordensburg eingestellt; die kleineren Gegenstände wurden ins PA überführt. gez: Ott"
Dieser Bericht ging am 24. Juli 1945 bei der RPD ein, die dem PA Sonthofen am 4. August 1945 entsprechende Weisungen gab.
 
Mit Berufungsblatt vom 4. Mai 1948 genehmigte die OPD die Änderung der bisherigen Ortsbezeichnung ,Ordensburg Sonthofen' in ,Burg Sonthofen'.
 
Zwischen 1950 und 1953 hatte sich die amerikanische Besatzung in der ,Burg', wie sie auch von den GI's genannt wurde, niedergelassen. Der dort verwendete Poststempel twg im oberen Bogen die Buchstaben ,DPST' (Devisen-Poststelle).
 
Am 25. Januar 1956 berichtete das PA Sonthofen von der bevorstehenden Belegung der ehemaligen Ordensburg mit ca. 1500 Mann, wobei es sich vornehmlich um höchste und höhere Offiziere der künftigen Bundeswehr handeln wird. Es war beabsichtigt, bis spätestens 15. März 1956 einen "vereinigten Annahmeschalter" einzurichten.
 
Am 15. Oktober 1963 hob die Deutsche Bundespost den Zweigschalter in der Generaloberst-Beck-Kaserne auf und verlegte ihn zum PA (V) zurück. Die Postzustellung an alle Bundeswehreinheiten führe das PA ab 16. Oktober 1963 mit einem VW-Tranporter durch.
 
GESCHICHTE
01 .09.1937 - 27.01.1938 PSt (Land)
15.11.1937 - 24.11.1937 Sonderpostamt
09.01.1938 - 18.01.1938 Sonderpostamt
28.01.1938-26.04.1945 Zweigpostamt
15.03.1956 - 15.10.1963 Annahmeschalter